Familie von Kamenz
An einen Ortsgründer und Namensgeber aus der Fam. von Kamenz (Kamenz - (sorbisch Kamjenc - "kleiner Ort am Stein") brauchen wir nicht zu zweifeln. Aber es ist schon eine sonderbare Geschichte. Zur damaligen Zeit waren unsere obersten Landesherren die deutschen Kaiser, wie Friedrich I. Barbarossa 1152-1190, Heinrich IV. 1190-1197, Otto IV. 1198-1215 und Friedrich II. 1212-1250. Ihren Blick hatten sie auch fest nach Süden gerichtet. Sie betrieben Italienpolitik und widmeten sich den Kreuzzügen. Barbarossa ertrank sogar auf einem Kreuzzug im Flusse Saleph (Türkei), schläft aber seitdem im Kyffhäuser. Wirklichkeit und Sage- so dicht liegen sie beieinander. Die Bediensteten (Ministerale) des Kaisers und der Markgrafen waren indessen in den Ostgebieten tätig. Eine dieser Familien hieß "von Vechta". Sie kam aus Mellrichstadt. (Quelle: Schieckel; Herrschaftsbereiche und Ministeriale der Markgrafen von Meißen, 1956). Sie erhielten Lehen vom Bischof von Meißen in und um Kamenz sowie im Gaule- und Pließnitzgebiet und hießen von nun an "von Kamenz". In der vorigen Ausgabe des Dorfechos wurde darüber schon näher berichtet. Der bereits mehrfach erwähnte Prof. Knothe, Dresden, hat um 1850 die Geschichte der Herren von Kamenz erforscht. (Neues Lausitz. Magazin, 1866). Er hat eine Ahnentafel dieser Familie angefertigt, alles mit Urkunden belegt. Und so wissen wir, wer Vater Sohn und Bruder derer von Kamenz waren. Prof. Knothe entdeckte damals im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden eine ganz merkwürdige Urkunde. Sie war im März 1245 vom Kaiser Friedrich II. in seiner Residenz in Foggia in Süditalien ausgefertigt worden. Sie betraf die Herren Bernhard II. von Kamenz und seinen Bruder Conrad von Kamenz. Prof. Knothe hat nichts über den Inhalt der Urkunde mitgeteilt. Der ist für uns auch sicherlich nicht von Belang. Von Bedeutung ist vielmehr eine Nebensache. Offensichtlich haben sich die Brüder seinerzeit als sehr hartnäckig erwiesen. Sie waren wohl harte Köpfe, was den Kaiser Friedrich II. veranlaßte, sie als "Chieselinge de Camenze" zu bezeichnen. So ein Qutsch!!!Wie uns Prof. Knothe berichtet, konnte er sich damals diese Bezeichnung nicht erklären. 100 Jahre später hat der oben erwähnte Schieckel den Begriff versucht zu deuten. Er übersetzte ihn mit "harte Köpfe, hart wie Kieselsteine". Und so hatte wohl der Kaiser Friedrich II. den beiden Brüdern einen Beinamen gegeben, wie das in der damaligen Zeit nichts Außergewöhnliches war. Für uns aber dürfte es von größter Bedeutung sein. Somit können wir wohl heute den einen, Bernhard II. Kiesling von Kamenz nennen, und seinen Bruder Conrad Kiesling von Kamenz. Vom ersteren wissen wir, dass er noch vor 1248 starb. Vom Conrad Kiesling wissen wir, dass er um 1220 existierte. Und 1245 erhielten sie den Beinamen. Von einem der Brüder dürfte nun Kiesdorf seinen Namen haben, vermutlich von Bernhard II. Das wäre der Vater des Klostergründers.
1190 Bernhard von Vesta beginnt mit der Anlage von Kamenz : geboren wurde Bernhard I von Vesta -1150
Vesta,Weissenfels,Sachsen
1210 Bischof Lorenz von Breslau verleiht dem Kloster Kamenz als Teil der Gründungsausstattung
den Zehnt von Gola (Guhlau bei Nimptsch) mit den Deutschen, die in Kittelau
wohnen. Dieses ist der vierte Beleg für Deutsche in Schlesien. Für die meisten
weiteren Orte in der Umgebung von Nimptsch haben wir im Laufe des Jahrhunderts
Zeugnisse, dass sie entweder von deutschen Kolonisten gegründet oder im
Einvernehmen mit der slawischen Altbevölkerung zu deutschem Recht umgesetzt
werden (Heidersdorf, Karzen, Stachau, Groß Tinz, Kobelau u. a.) Die
Kolonisationsphase ist in der Mitte des 14. Jahrhunderts, nach eineinhalb
Jahrhunderten, abgeschlossen.
Mongolenschlacht auf der Wahlstatt bei Liegnitz.
Im Jahr 1248 gründeten einige Mitglieder der Adelsfamilie von Kamenz diesen Nonnenstift nach der Regel der Zisterzienser. Besonders verdient um die Gründung des Klosters machte sich Bernhard III. von Kamenz, der eine außergewöhnliche geistliche Karriere durchlief. Nach seinem Studium an einer italienischen Universität bekleidete er in den sechziger und siebziger Jahren des 13. Jahrhunderts Ämter im Domkapitel von Meißen. In den Jahren 1279 bis 1290 lebte Bernhard am Hofe Heinrichs IV. von Schlesien als dessen Kanzler, später stand er im politischen Dienst König Wenzels II. von Böhmen. Im Jahr 1293 wurde Bernhard zum Bischof von Meißen gewählt. Als er 1296 starb, fand der Geistliche sein Grab in dem von ihm gestifteten Kloster Marienstern.
1. 7. 1249 Die Grafen von Käfernburg, Schwarzburg, Beichlingen, Honstein, Stolberg und andere thüringische Edle erkannten Heinrich den Erlauchten in Weißenfels als ihren Herren an. Sie gelobten ihm Beistand und Verteidigung Thüringens gegen jedermann und nahmen ihre Güter von Heinrich zu Lehen. Damit endete der seit Anfang 1248 geführte Aufstand der wichtigsten Thüringer Grafen gegen den Wettiner. Die gleichfalls an dem Aufstand beteiligten Grafen von Gleichen unterwarfen sich wahrscheinlich in einem Sondervertrag
der Herrschaft des Bischofs Withigo I. aus dem Hause Camenz um 1286.
PrUB 1.1.301 — 1254 Dezember 22. Graudenz — Der Bischof von Pomesanien, der Dominikaner Ernst, erklärt, daß er nach der Teilung seiner Diözese (PrUB 1.1.233) das [nördliche] Drittel gewählt hat, ohne zu wissen, daß dieses Gebiet oft von den Heiden angegriffen wird. Da die Last des Krieges den Deutschordensbrüdern auferlegt ist, tritt er freiwillig dieses Drittel ab gegen das [südliche], befreidete Drittel, wo Marienwerder liegt, und erklärt sich zufrieden, Marienwerder, Resie und Presen zusammen mit dem Drittel der Güter, die einst Bernhard von Camenz besessen hatte, zu erhalten, die der Deutschorden noch ungeteilt innehat.
PrUB 1.2.108 — 1260 Juli 1. Anagni — Papst Alexander IV. bestätigt den Vergleich des Deutschordens und des Bischofs von Pomesanien über die vom Ritter Bernhard von Camenz einst an den Deutschorden verkauften Gebiete und andere Streitpunkte.
Bernhard III. von Kamenz ist der Stifter des Klosters St. Marienstern. Als Kanzler und Berater an den Höfen des Piastenherzogs in Breslau und des böhmischen Königs in Prag, als
Bischof von Meißen, als Gesandter, Intrigant und hoher Kirchenmann gestaltete er die Geschichte Mitteleuropas im 13. Jahrhunderts mit. Er war ein wichtiger Politiker, kannte die höchsten Vertreter weltlicher und geistlicher Macht, reiste zwischen der Oberlausitz, Schlesien, Rom und Böhmen hin und her. Zum Ende seines Lebens setzte er seinen ganzen Besitz und Einfluß für sein Kloster ein, das er zum Heil seiner Seele und als Ort seiner ewigen Ruhe gründete und bauen ließ.
Conrad Kiesling von Kamenz kommt bestimmt kaum infrage. Er hat sich möglicherweise doch mehr um Conradsdorf (Kunnersdorf a.d.E.) gekümmert, ihm seinen Namen gegeben was vielleicht nicht nur Vermutung ist. "Chieselinge" hat sich in seiner Schreibweise seit der Übertragung aus dem Lateinischen stark verändert. So lesen wir 1264 in Verbindung mit "Dorf" Kyselingisdorf und 1374 Kezelingisdorf, was schließlich zu Kiesdorf führte. Noch einmal sei Prof. Knothe erwähnt. Er will bei einer 1333 beurkundeten Zinsangelegenheit einen Conradum de Kyzelingisdorf gefunden haben. Ist das nicht sagenhaft? Die Erforschung der Kiesdorfer Ortsgeschichte bleibt spannend, (wird fortgesetzt
Mögliches Gründungsdatum des Frauenklosters Sankt Marienstern in Panschwitz-Kuckau bei Kamenz/ Sachsen durch Bernhard II von Kamenz. Seit 1264 war Marienstern Zisterzienserinnenabtei und verfügte mit 52 zugehörigen Dörfern und zwei Städten über einen ansehnlichen Besitz. Mit Bernhard II. stand das dem böhmischen König unterstellte Geschlecht der Herren von Kamenz auf seinem Höhepunkt. Durch allzu reichliche Stiftungen an das Kloster verringerte sich ihr Besitz aber schnell, ihre Macht verfiel. Das Kloster Marienstern ist zusammen mit Kloster Marienthal das einzige deutsche Zisterzienserinnenkloster, das ohne Unterbrechung bis heute genutzt wird
Als 1438 Heinrich v.Kamenz all seine Lehnsrechte über dies Dorf an den Rat von Kamenz verkaufte, behielt er sich ausdrücklich Benisch Lehen mit seinem Sitz und Vorwerk selbst vor. 1449 wurden die Söhne Benisch nämlich Barthel und Georg, von Veit v.Kamenz, und 1482 dieselben samt ihren inzwischen mündig gewordenen Brüdern Benisch, Hans und Peter von Christoph v.Kamenz, dem Bruder Veits, mit ihrem Gut belehnt. Als 1491 dieser Christoph v.Kamenz auch seine letzten Besitzungen in der Oberlausitz, Rohrbach und den Lehenschen Antheil von Lückersdorf, an die Burggrafen v.Dohna auf Königsbrück verkaufte, erneuerten diese 1498 dem Peter, Georg und Hans v.Lehen und ihrem Neffen Georg die Lehn.
Eine Nebenlinie, von der wir nicht wissen, wann und von wem sie sich abzweigt, besaß das Gut Buchwalde (Ort bei Wittichenau), und zwar kommen da selbst Johann und Siegsmund v.Leyhen vor, die 1447 gemeinschaftlich Zins an das Domkapitel zu Budissin verkauften, und von denen Siegsmund von 1440 - 51 mehrfach als Zeuge erwähnt wird. - Ein Siegel des Hans v.Lehen zu Lückersdorf an einer Urkunde von 1503 scheint zwei übereinander schwimmende Fische und dahinter ein Bäumchen zu zeigen.
Der Klostergründer Berhard III. von Kamenz (ca. 1225-1296)
Er setzte mit der Gründung die Idee seines Vaters Bernhard I. um und schenkte dem Kloster groß e Teile seines Besitzes. Seit 1264 weilte er als Geistlicher am Hof des Herzogs von Schlesien und war in Breslau dessen Kanzler. Er unternahm zwei Italienreisen zum Papst. Seit 1293 war er Bischof von Meißen und sorgte für den Schutz des Klosters.
Mitglieder der Familie von Kamenz
Witego und Bernhard II. von Kamenz waren die Brüder von Bernhard III. Sie bedachten das Kloster kaum mit Schenkungen und waren anscheinend mit der Gründung nicht einverstanden. Mabilia von Kamenz, die Mutter der drei Brüder, war vermutlich die erste Äbtissin des Klosters. Die Schwestern der Gebrüder von Kamenz, Agnes und Amabilia, traten ebenfalls in den klösterlichen Stand.
Bischof Konrad von Meißen (1240-1259)
Bevor er Bischof in Meißen wurde, war er Domherr in Magdeburg. Als sehr energischer Mensch stritt er mit dem Markgraf und ließ sogar Urkunden fälschen, um seine Macht zu vergrößern. 1249 gab er seine Zustimmung zur Klostergründung.
Die Markgrafen von Brandenburg Johann (1220-1266) und Otto (1266-1309)
Der König von Böhmen verpfändete 1153 die Oberlausitz an die Askanier Johann und Otto. Diese stellten 1264 die erste erhaltene Urkunde für St. Marienstern aus.
Anfang des 13.Jahrhundert waren die Herren von Kamenz im Lehnbesitz von Königsbrück.
In einer lateinischen Urkunde vom 13.Oktober 1248, in welcher die Brüder Witego von Kamenz bei der Stiftung des Klosters St.Marienstern genannt werden, wird der Zoll und Ort "de theoloneo in Kunigesbruc" zuerst erwähnt.
Schon damals, so vermutet man, befand sich nahe der Grenzfeste eine Handelsniederlassung bzw. kleine Ansiedlung.
Königsbrück gilt als eine der ältesten Zollstelle der Oberlausitz und hat wohl seinen Namen von der Brücke die sich hier frühzeitig an Stelle der Furt - besonders bei angeschwollem Wasser des Flusses für die alte Handelsstraße - nötig machte und von dem königlichen Brückenzoll, der hier erhoben wurde.
Als erster namentlicher Besitzer erscheint am 8.September 1298 Heinricus de Konigesbruck als Zeuge in einer Urkunde des Markgrafen von Meißen. In einer lateinischen Urkunde des Kaisers Karl IV. vom 11.Januar 1351 die sich die Bürger von Budissin ausstellen ließen heißt es, daß die "oppudum (Stadt) Kunigsbrucke mit municione (Befestigungen) und all seinen Zubehörungen nie vom Königreich Böhmen getrennt werden solle"
1355 - Vom Schicksal der "Feste" schreibt der Zittauer Stadtschreiber Johann von Guben in seinen Jahrbüchern, daß die Kriegsleute der Sechsstädte mit großer Macht "kegn Konigisbrucke zogen und brannten ab den Schonenvelder Hof an dem statil" (nicht urkundlich belegbar)Höfe bedeuteten in den Quellen des 14.Jahrhunderts mehr oder weniger befestigte Rittersitze.
Lehnsinhaber waren damals die Herren von Schönfeld und sie hatten sich wohl wegen Straßenplackerei, jener
ritterlichen Liebelei, die Acht der Sechsstädte zugezogen, so daß ihren Hof das Verhängnis traf.Ob das Schloß in den Hussitenkriegen eingenommen und niedergebrannt wurde ist nicht bekannt, doch ist es anzunehmen.
1454 belehnt Wladislaw, König von Böhmen, die Gebrüder von Dohna "... ferner mit dem von ihrem Vater (Labatsch von Dohna) aufgebautem Sitze vor dem Städtlein".
Kurz vor 1474 scheint das Schloß in seinen ältesten Teilen neu auf- oder umgebaut worden zu sein.
An die fast 150jährige Herrschaft der Burggrafen von Dohna erinnert nur noch die Brücke unterhalb des Schlosses.
Um 1700, in der Zeit der Schellendorffschen Herrschaft, muss das Schloß erneuert umgebaut oder mit einem Anbau versehen worden sein, da 1704 von einem neuen Schloß die Rede war.
1703 wurde auf jedenfall die große Terrassenmauer im Schloßgarten errichtet.
Die Grafen von Hohenthal waren die wohltätigsten Standesherren der Stadt, das führte soweit das 1852 das Schloß in einem Konkursverfahren an die Grafen von Wilding überging, die es dann bis zur Unbewohnbarkeit niederwirtschafteten.
Siftungsurkunde der Herren von Kamenz, 13.10. 1248